- Text Size +

Flug der Engel   ( Teil 1 )


„So Freunde, die nächste Runde geht auf mich,“ rief Olli in die Gästemenge des No Limits, wo er hinter dem Tresen stand und auch gleich den Grund für seine spendable Geste verriet, indem er seinen Arm um den neben ihm stehenden Christian legte und ihn noch näher an sich ranzog: „Denn wie ihr ja alle mitbekommen habt, will mein Schnuckel mich in drei Tagen aufs Standesamt führen. Und darum lasst uns alle gemeinsam unseren Junggesellenabschied feiern.“ Während die Freunde und Gäste applaudierten, jubelten und grölten, stupste der grinsende Olli Christian leicht in die Seite: „Ja, das war’s mein Schatz.“ Christian drückte Olli schnell einen Kuss auf die Wange und knuffte ihn ergebend in die Taille, ehe er das Wort ergriff: „Leute, ihr habt’s gehört. Ran an die Bar, bevor ich es mir anders überlege!“ „Von Wegen, aus der Nummer kommst du nicht mehr raus,“ lächelte Olli Christian seitlich an, während er die ersten Biere zapfte. „Auf was lasse ich mich da wieder ein,“ strahlte Christian zurück und füllte dabei das Chrash-Eis in einige Longdrink-Gläser.

„Ja und damit ihr Beide auch noch was davon habt, übernehme ich mal. Geht ihr zu den Anderen feiern,“ bestimmte Gregor, als er hinter den beiden Jungs auftauchte, ihnen jeweils einen Arm um die Schulter legte und die Zwei vom Thekendienst befreite. „Wow, ich dachte, du kommst heute gar nicht mehr auf die Idee,“ tat Christian überrascht , lobte aber seinen Bruder dafür, indem er ihm zweimal auf die Schulter klopfte und dann Olli vom Zapfhahn wegzog. „Jaja, jetzt kannst du noch frech sein. Glaub mir, in ein paar Tagen ist das vorbei. Da bist du froh, wenn du mal bei deinem Bruder Zuflucht findest,“ konterte Gregor, worauf Olli ermahnte: „Hey Gregor, mach dem Kleinen auf den letzten Metern bloß keine Angst mehr, sonst stehe ich noch alleine vorm Standesamt.“ Christian schaute den beiden grinsenden Männern ins Gesicht und stellte fest: „Ihr seid wieder doof heute.“ Doch dann griff Christian Olli an den Schultern und führte ihn vor sich hinterm Tresen weg, nachdem er sagte: „Jetzt machen wir nochmal Party. Komm Olli, mit dir oder keinem.“

„Willst du schon gehen, Rob?“ fragte Olli, als er mit Christian hinterm Tresen vorkam und sah, wie Robert Marenbach sich seine Jacke anzog, nachdem er vom Barhocker aufstand, von wo aus er Alles im Blick hatte. „Sorry, mir ist etwas dazwischen gekommen,“ erklärte Robert seinen Rückzug, wobei er einen unbeobachteten und verachtenden Blick Christian hinterher warf, der sich gerade Luise zuwandte. „Das werde ich wohl mal in die Hand nehmen müssen, damit das gewünschte Ziel noch erreicht werden kann,“ verkündete Robert weiter, worauf Olli ihn anlächelte: „Viel Glück dabei.“ Doch Robert schenkte Olli ebenfalls ein Lächeln und stellte klar: „Ein bisschen Fingerspitzengefühl und alles läuft wieder nach Plan. That’s the way.“ 

„Ah hallo Stella, kommt ihr auch noch ins No Limits zu Olli und Christian?“ wollte Lydia in Erfahrung bringen, die sich gerade in der Schlosshalle den Mantel überzog, während Sebastian in seiner Jacke nach dem Autoschlüssel suchte und Stella die große Treppe im Foyer herunterkam. „Sicher, wir sind ja extra gestern schon angereist, denn wir wollen von den ganzen Feierlichkeiten nichts verpassen. Carla kommt gleich runter und dann kann’s losgehen.“ „Ich muss meine Autoschlüssel oben gelassen haben. Ich geh noch mal schnell rauf und hole sie,“ verkündete Sebastian, worauf Stella vorschlug: „Ach was, lass doch. Carla wollte eh fahren. Wir können euch doch mitnehmen.“ „Na gut, meinetwegen,“ gab Sebastian sich geschlagen, worauf dann Lydia einfiel: „Ich hoffe nur, dass dieser Benjamin Stein da nicht noch auftaucht und für Unruhe sorgt.“

„Ja, das ist echt ein Ding. Olli hat mir das gestern noch erzählt. Du hast den wirklich am heiligen Abend vor dem No Limits gesehen?“ hakte Stella besorgt nach. „Ja, erst war ich mir nicht sicher, doch als herauskam, dass dessen Anwalt ihn noch vor Weihnachten aus dem Gefängnis rausgeprügelt hatte, war alles klar,“ berichtete Lydia. „Und seitdem ist der untergetaucht?“ fragte Stella nach, während sie ein Blick die Treppe hinaufschickte, wo ihre Angebetete denn bleibt. „Spurlos verschwunden. Zur Verhandlung ist er nicht erschienen. Ich mach mir da schon ein wenig Sorgen um Olli und Chris,“ wirkte Lydia immer noch fassungslos, worauf Sebastian sie beruhigen wollte: „Der ist doch längst über alle Berge. Der weiß doch, was hier auf ihn zukommt. So blöd ist der nicht, sich hier weiterhin in der Nähe aufzuhalten.“ „Die Logik eines Anwalts, Hauptsache, es wurde wieder ein Verbrecher erfolgreich vor der Strafe bewahrt,“ lächelte Carla, die graziös die Schlosstreppe herunterschritt und Teile des Gesprächs verfolgt hatte. „Haha, können wir jetzt?“ wollte Sebastian sich nicht weiter in ein Gespräch vertiefen lassen.

„Hey was ist, ihr beiden Süßen? Wollt ihr uns nicht mal eine eurer berühmt berüchtigten Gesangsnummern vortragen?“ schlug Andi vor, um die Stimmung anzuheizen. „Das übernehmen heute unsere Freunde,“ reagierte Olli sofort. „Okay, dann sorgt ihr aber dafür, dass unsere Soprane und Bässe nochmal poliert werden. Ich wette dann trällert unser Tristan wie eine Nachtigal,“ grinste Andi in die Richtung von Tristan, der sofort behauptete: „Wenn Helena und ich in unserem Duett versinken, bleibt dir die Spucke weg. Aber du kannst das Ganze dann gerne auf deinem Schreibblock mitmalen.“

Christian, der mit einem Tablett, auf dem sich kleine Tonverstärker befanden, zur Runde in die Lounge kam, entdeckte gleich, dass Olli einen Moment etwas abwesend war. Während Andi dann die Gläser verteilte, fasste Christian Olli an die Schulter und zog ihn von den anderen weg: „Hey, was ist los?“ „Ach nichts. Ich musste nur eben daran denken, wenn Tobi und Olivia doch dabei sein könnten,“ gestand Olli. „Olivia kann ja noch kommen. Gut Tobi.... Hey, er ist bestimmt bei uns! Er will, dass wir das alles genießen und kein Trübsal blasen. Tu ihm den Gefallen,“ versuchte Christian seinen Lebenspartner wieder aufzumuntern. „Ja, das würde ich ja gerne. Aber  mir geht das auch mit dem aufgetauchtem Bild immer noch nicht aus dem Kopf. Warum wissen wir immer noch nicht, woher das Bild stammt?“ hing Olli weiter dem Rätsel hinterher. Christian war ratlos, zog Olli an sich und erklärte vorsichtig: „Vielleicht weil wir....“ „Überraschung  Leute, wir sind heute schon da,“ strahlte Constantin, der plötzlich mit Judith im No Limits stand.

„Hey, das ist ja echt eine Überraschung. Heute Mittag wart ihr doch noch in London?!“ entzog sich Olli aus Christians Umarmung und ging auf seine Freunde zu. „Ich dachte auch, ihr wolltet erst übermorgen kommen?!“ wirkte Christian nun auch irritiert. „Damit wir hier was verpassen? Von wegen, jetzt sind wir hier. Oh man ihr Zwei, ich freu mich so für euch,“ riss Judith ihre beiden Freunde gleich an sich und niemand anders hatte in dieser Umarmung, die die drei sichtlich genossen, einen Platz gefunden. Selbst Constantin hielt sich zurück bis dann auch er Gelegenheit hatte Olli und Christian zu begrüßen.

„Ah, da ist ja die berühmte Judith,“ grinste Andi der jungen Frau entgegen. „Eine, wie es sie nur einmal gibt,“ stellte David dann gleich klar. „Ja, genau, das ist Judith, unser guter, strahlender Stern, unsere wärmende Sonne und unser zugleich wachsamer Mond unserer Freundschaft. Ein wahrer Engel, der uns doch oftmals fehlt. Andi ist ja nun dein Nachfolger in der WG,“ übernahm Olli wieder das Ruder, der nun strahlte und dadurch in die Höhe seines Gefühlschaos schoss. „Aber nur was das Zimmer betrifft,“ stellte Christian gleich klar, der stolz und liebevoll seinen Arm um Judith legte. „Und wie macht er sich so?“ lächelte Judith zurück. „Na, unsere Artisten Olli und Chris werden dir doch wohl hoffentlich nur positives berichtet haben?“ ging Andi weiter auf Flirtkurs. „Nur Positives,“ kürzte Constantin das Zwiegespräch ab, weil er auch gleich den Blick von Helena bemerkte. „Und dort haben wir noch unsere beiden Zwillinge Helena und Tristan, übrigens Geschwister von Sebastian,“ machte Olli seine Freundin mit den anderen Verbliebenen bekannt. „Helena, Tristan, Andi, gibt es sonst noch Jemanden, den ich mir merken muss?“ kam Judith ein wenig ins Schleudern. „Mach dir keine Sorgen. Wir sind jederzeit für dich da und machen dir den Aufenthalt hier in Düsseldorf so angenehm wie möglich,“ versprach Christian, der dann dafür sorgte, dass die beiden Überraschungsgäste auch noch Plätze in der Lounge bekamen, während Olli von Miriam ans Telefon gerufen wurde. 

„Was ist denn nun mit dem Singen?“ ließ Andi nicht locker und konzentrierte seinen Blick auf Helena und Tristan. „Du gibst nicht auf, was?“ bemerkte Helena. „Niemals,“ machte Andi darauf deutlich. „Worum geht es?“ wollte Judith in Erfahrung bringen. „Andi besteht darauf, dass meine liebe Schwester und ich dem glücklichem Paar ein Ständchen bringen,“ klärte Tristan Judith auf, die dann meinte: „Warum nicht? Wenn ihr das könnt? Also ich bin im Singen ja nicht so gut, da fragt mal Christian. Aber ihr könnt auch Olli, Constantin oder Lydia fragen. Okay, wenn ich das Bad putze, kann es schon mal dazu kommen, dass ich mich an den Tonleitern vergreife. Aber wenn ich beim Putzen bin, da bin ich ja meistens auch allein. Da kann ich ja niemanden stören oder verletzen, wenn ihr versteht, was ich meine. Also, ich meine, wenn ich putze, ergreifen komischer Weise immer alle die Flucht. Oder ist es, weil sie glauben, ich würde gleich anfangen zu singen. Nein, ich glaube, es liegt doch daran, dass die Aufgabenteilung zumindest hier in der WG immer zu meinen Ungunsten lief oder was hast du für eine Erklärung dafür, Christian?“ „Äh ja, ich glaube, nein, ich meine....“ begann Christian, als Tristan dazwischen etwas arrogant behauptete: „Tja, Einige sind eben fürs Putzen da, den anderen gehört die Bühne. Helena wollen wir dann mal?“

„Olli, wo bleibst du denn so lange?“ fragte Christian, als er Oliver vom Tresen endlich auf sich zulaufen sah. „Du Christian, kümmere du dich bitte um unsere Freunde. Ich muss nochmal dringend weg,“ verkündete Olli, der darauf einen sprachlosen Christian sah. „Du musst was? Wie, unbedingt jetzt?“ fand Christian die Worte wieder. „Ja, es ist dringend. Ich erkläre es dir später,“ blieb Olli standhaft, der sehr aufgeregt wirkte als er sich seine Jacke schnappte. „Olli, du kannst jetzt nicht einfach abhauen. Sag mir wenigstens, was los ist,“ versuchte Christian Olli zu stoppen, der aber zur Tür lief, wo ihm Carla, Stella, Lydia und Sebastian entgegenkamen. „Hey, ist die Party schon vorbei?“ hakte Lydia nach. „Nein, Christian kümmert sich um euch. Ich muss weg,“ erklärte Olli, der Christian einen verängstigten, aber auch ein auf Verständnis hoffenden Blick zuwarf. „Olli warte. Was soll das?“ wirkte Christian sehr irritiert, während die Tür zufiel und auch die später gekommenen Gäste erst auf die Tür und dann auf Christian starrten. 

You must login (register) to review.