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Author's Chapter Notes:

Ich bin neu hier und auch erst seit kurzem mit der Geschichte von Christian und Olli vertraut, aber ich hoffe auch gefällt meine Geschichte.

Christian saß in seinem Zimmer auf den Fußboden und hatte eine Kiste auf dem Schoß. In dieser Kiste waren Fotos, Weihnachtsglückwünsche und Briefe. Eben Erinnerungsstücke an seinen Vater.

Er hielt ein Foto in der Hand welches ihn, seinen großen Bruder und seinen Vater zeigte. Sachte strich er mit seinem Finger über das Foto.

Kurz schloss er die Augen und dachte an seinen Vater. Sein Vater, der Spielsüchtig gewesen war und für den er damals ins Gefängnis gegangen war.

Manchmal fragte er sich, warum er das getan hatte. Er wusste, dass sein Vater ein schwaches Herz hatte und womöglich den Aufenthalt im Gefängnis nicht überlebt hätte. Doch war das wirklich ein Grund für jemanden ins Gefängnis zu gehen?

Christian war so in seinen Gedanken, dass er nicht hörte, wie es an seiner Tür klopfte.

„Hey, ich wollte dich nur fragen, ob du was essen willst?“, fragte Olli und ging einen Schritt näher an seinen Mitbewohner heran.

„Hm, jetzt nicht…vielleicht später“, meinte Christian ohne aufzusehen.

„Was hast du denn da?“ Jetzt wandte sich Christian zu Olli um, damit er ihn ansehen konnte.

„Ich wüsste nicht, was dich das angehen sollte?“, fragte Christian wütend.

„Okay, dann gehe ich eben, damit du allein sein kannst.“ Mit diesen Worten verließ Olli das Zimmer und machte die Tür hinter sich zu.

Wieder wandte sich Christian der Kiste zu. Es war ihm nicht entgangen, dass Olli verletzt war. Das hatte er deutlich heraushören können.

Warum hatte er das getan? Olli hatte ihm doch nur eine einfache Frage gestellt. Warum war er wieder so verdammt wütend auf ihn gewesen.

Manchmal konnte sich Christian sein Verhalten selbst nicht erklären.

Es gab Situationen wo er sich richtig gut mit Olli verstand. Sie konnten normal miteinander reden, zusammen lachen oder machten irgendwelche Späße.

Doch dann gab es wieder Situationen wo er Dinge sagte, die Olli verletzten oder er ihn ohne Grund anschrie.

Christian verstand sich in solchen Situationen selbst nicht mehr. Er konnte nicht sagen, warum er das machte. Auch wusste er das Olli ihm nur helfen wollte.

Es gab wenige Menschen in seinem Leben denen er vertraute, wie sein großer Bruder Gregor oder seine Ex-Freundin Coco.

Coco. Was sie wohl gerade machte. Ob sie wohl immer noch in Goa war. Automatisch musste er daran denken, wie seine damalige Freundin mit ihm dorthin wollte. Doch als er hörte, wie Olli sagte, dass er hier in Düsseldorf bleiben sollte. Er konnte einfach nicht gehen.

Er war damals wirklich sauer gewesen, als Coco ausgerechnet Olli erzählt hatte, das er im Gefängnis saß oder als dieser meinte einfach mal die Unterlagen für die Sporthochschule abgeben zu müssen.

Aber er wusste auch, dass er sich das selbst wohl nie getraut hätte, wegen der Geschichte mit dem Gefängnis und als er gesehen hatte, wie Olli die ganze Zeit über mit gefiebert hatte, wenn er wieder eine Prüfung bestanden hatte. In diesen Moment war er Olli auch ein wenig dankbar dafür gewesen.

Christian legte das Foto zurück in die Kiste, schloss diese und stellte sie zur Seite. Kurz überlegte er, ob er zu Olli gehen sollte, um sich zu entschuldigen.

Es gab viele Momente wo er Olli verletzt hatte und sich wirklich überwinden musste sich zu entschuldigen. Leise seufzte er und stand auf, verließ sein Zimmer und sah Olli in der Küche stehen. Langsam ging er auf seinen Mitbewohner zu.

„Hey, ich dachte schon, dass du gar nicht mehr aus deinem Zimmer kommst.“

Olli klang kein bisschen wütend, was Christian auch manchmal verwirrte. Er baute Mist und verletzte Olli und dieser verlor kein Wort darüber. Doch er konnte es in dessen Blick sehen, wie verletzt er war und zu wissen das er der Grund dafür war das war auch für Christian nicht schön.

„Olli, ich wollte mich bei dir entschuldigen, wegen dem was ich vorhin gesagt hatte. Ich habe es nicht so gemeint.“ Christian fiel es schwer sich seine Fehler ein zu gestehen. Aber warum fiel es ihm nur so schwer sich bei Olli zu entschuldigen?

„Kein Problem. Ist schon vergessen. Ich wollte wirklich nicht so neugierig sein und es ist deine Sache. Aber wenn du reden willst. Du weißt hoffentlich, dass ich für dich da sein werde, oder?“

„Danke das ist wirklich nett von dir.“ Christian schaffte es sogar Olli ein Lächeln zu schenken. Er war froh, dass Olli für ihn da war und ihn unterstütze wo er nur konnte.

„Ja, also willst du was essen?“, fragte Olli und sah Christian in die Augen.

„Hm, klar.“ Olli deckte den Tisch und verteilte das Essen auf die Teller. Während des Essens hingen sie ihren Gedanken nach. Doch es war auch keine unangenehme Stille die zwischen den beiden herrschte.

Nachdem essen half Christian Olli den Tisch aufzuräumen und danach kam die Küche dran. Als sie fertig waren klopfte Olli Christian dankend auf dessen Schulter.

Er wollte so gerne mit Olli offen über seine Vergangenheit reden können, doch er traute sich nicht, das Olli zu sagen. Außerdem hatte er doch immer behauptet, dass er Ollis Hilfe gar nicht brauchte.

„Olli, kann ich mit dir reden“, verließen die Worte Christians Lippen.

Olli sah ihn daraufhin etwas verwundert an. Anscheinend verstand er nicht, was mit Christian los war. Doch wenn dieser mit ihm reden wollte, dann hatte er auch nichts dagegen.

„Klar, wollen wir uns dafür aufs Sofa setzten“, schlug Olli vor und ging zu dem Sofa, das in der Mitte des Raums stand, um sich darauf zu setzen.

Christian nickte nur und setzte sich neben seinen Mitbewohner und sah auf seine Hände, die er in seinen Schoß gelegt hatte. Er hatte keine Ahnung, wie er das Gespräch anfangen sollte.

Tief atmete Christian ein und wieder aus.

„Du weißt ja von Coco das ich im Gefängnis war“, fing Christian an zu erzählen.

„Ja, ich erinnere mich.“

„Ich kann dir sagen, das waren die schrecklichsten Jahre meines Lebens.“

Christian wandte sich zu Olli, damit er ihn ansehen konnte.

Im ersten Moment hatte es Olli schon irritiert, das Christian mit ihm über dessen Vergangenheit reden wollte. Aber vielleicht war es ja auch gut, dass er sich jemanden anvertraute, um über das schreckliche Erlebnis hinweg zu kommen.

Olli legte seine Hand auf Christians Schulter, wollte ihn so zeigen, dass er hier war.

„Ich kann nicht verstehen, wie du das machen konntest. Ich meine für jemanden anderen unschuldig ins Gefängnis gehen.“

„Glaub mir Olli, ich kann es auch nicht verstehen, wie ich die Jahre dort drin durchgehalten hatte, aber die Briefe von Coco waren in dieser Zeit das einzige, was mir Hoffnung gab. Sonst hätte ich das nicht geschafft.“

„Und als du im Gefängnis warst, in dieser Zeit ist auch dein Vater gestorben.“

Christian brachte nur ein schwaches nicken zu Stande. Wieder hatte er diese Bilder im Kopf. Wie er vor dem Grab seines Vaters stand.

„Ja, ich habe es von einem der Wächter erfahren. Deshalb habe ich auch Freigang bekommen, damit ich zur Beerdigung gehen konnte. Ich stand vor dem Grab und hätte am liebsten geschrieben oder geweint, aber ich konnte nicht. Bei mir standen zwei Wärter und ich wollte mir einfach nicht vor denen die Blöße geben und zusammenbrechen.“

Leicht geschockt sah Olli Christian an. Das hatte er nicht gewusst. Wie schwer muss es Christian damals gefallen sein nicht zusammenzubrechen.

Er rutschte ein Stück näher an Christian heran und legte seinen Arm fester um dessen Schultern, zog diesen gegen sich, damit Christian sich anlehnen konnte.

Zu Ollis Überraschung wehrte sich Christian nicht. Sanft streichelte Olli mit seinen Fingern durch Christians Haare.

Olli jetzt so nah an sich zu spüren und zu wissen, dass er für ihn da war, dass fühlte sich in diesem Moment so gut an. Vor ein paar Wochen hätte er nie vor Olli schwäche gezeigt, aber jetzt tat das einfach nur gut sich halten zu lassen.

„Das hatte ich nicht gewusst. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schrecklich das alles für dich gewesen sein musste. Ich meine, du hast das die ganzen Jahre in dich hinein gefressen.“ Endlich schaffte es Olli seinen Mitbewohner zu antworten.

„Das war es auch, aber ich wollte mir einfach nicht vor diesen Wärtern damals die Blöße geben“, entgegnete Christian.

Für Christian war es immer noch unklar, warum er ausgerechnet Olli alles erzählte, aber irgendwie tat es ihm auch gut.

Eine Weile saßen sie schweigend auf dem Sofa.

„Ich bin froh, dass du mir das alles erzählt hast. Ich weiß, wie viel Überwindung dich das gekostete hat mir das zu erzählen.“

„Danke, dass du mir zugehört hast.“ Etwas anders wusste Christian in diesem Moment nicht zu sagen. „Das habe ich doch gerne gemacht“, mit diesen Worten löste sich Olli von Christian und erhob sich von dem Sofa, um in sein Zimmer zu gehen.

Nach einer Weile ging auch Christian in sein Zimmer und legte sich ins Bett.

Dieser Abend hatte ihm richtig gut getan und er ahnte, dass sie richtig gute Freunde werden könnten.

Chapter End Notes:

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir sagen könntet wie es euch gefallen hat.

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